Ein Werbetext beginnt so: „Unter Fachleuten ist die Notwendigkeit des Fallenfangs unbestritten.“
Schon dieser erste Satz schreckt Leser ab: Er ist ein Muster-Beispiel für den sogenannten Nominalstil – also die Anhäufung unnötiger Substantive. So klingt Sprache trocken, bürokratisch und schwerfällig. Man könnte es doch viel klarer sagen: „Die Fachleute sind sich einig: Fallenfang ist notwendig.“
Erstaunlich, wie hartnäckig sich Menschen an Wörter klammern, die der Sprache das Leben aussaugen – besonders jene, die auf -keit, -heit, -ung, -ät, -ion oder -ismus enden.
Ein Beispiel:
„Wie aber sollen mehr als sechs Milliarden Menschen ernährt werden? Unsere Antwort: Steigerung der Agrarproduktion durch ausgewogene Mineraldüngung und gezielten Pflanzenschutz. Dieser Herausforderung stellt sich unsere Forschung. Denn so unverzichtbar die Intensivierung der Landwirtschaft ist …“ (Quelle: BASF)
Sechs Wörter dieser Art, fünfmal -ung, einmal -ion. Dabei könnte man es doch einfach sagen: Mehr Ertrag auf den Feldern durch richtiges Düngen und Pflanzenschutz. Und statt „dieser Herausforderung stellt sich unsere Forschung“ hieße es besser: „Die Forschung nimmt diese Aufgabe an.“
Denn Herausforderung klingt abgenutzt, wie so viele Modewörter – ebenso wie Innovation. Dazu kommen leere Adjektive wie unverzichtbar (seit Jahrzehnten Lieblingswort der Politik) oder gezielt, obwohl niemand ernsthaft an ungezielten Pflanzenschutz denken würde.
Ein gutes Mittel gegen solche Sprachverstopfung ist der Nebensatz. Er löst verkrampfte Nominalkonstruktionen auf.
Wenn die XY-Bank schreibt, sie wolle „mittelständischen Unternehmen bei der Umsetzung von Ideen in marktfähige Angebote helfen“, sollte sie lieber sagen: „Die XY-Bank will mittelständischen Unternehmen helfen, ihre Ideen in marktfähige Angebote umzusetzen.“
Ein Nebensatz gehört nämlich dahin, wo er am besten wirkt – ans Satzende. Dort ist er meist logisch, klar und elegant. Jedoch nutzen Sie ihn nur wenn es ohne ihn nicht geht.
Kurze Erklärung, warum Nominalstil problematisch ist.
Der übermäßigen Gebrauch von Substantiven (meist mit Endungen wie -ung, -heit, -keit, -ion, -ismus) macht Texte schwer verständlich, abstrakt und leblos. Der Nominalstil bezeichnet einen Schreibstil, bei dem anstelle von Verben viele Substantive verwendet werden, um Informationen zu verdichten.
Nominalstil: Die Durchführung der Analyse erfolgte nach Rücksprache mit dem Team.
Besser: Das Team führte die Analyse nach einer Rücksprache durch.
Nominalstil: Nach der Erstellung des Konzepts begann die Umsetzung des Projekts.
Besser: Nachdem das Konzept erstellt war, begann das Team mit dem Projekt.
Nominalstil: Die Verbesserung der Kommunikation ist unser wichtigstes Ziel.
Besser: Wir wollen besser miteinander kommunizieren.
Nominalstil: Durch die Anwendung neuer Methoden kam es zu einer Steigerung der Effizienz.
Besser: Neue Methoden machten die Arbeit effizienter.
Nominalstil: Die Einhaltung der Vorschriften wird regelmäßig überprüft.
Besser: Wir prüfen regelmäßig, ob alle Vorschriften eingehalten werden.
Beispiele zum Auflösen eines Nominalstiles:
Nominalstil Als Verb formuliert
– Durchführung – etwas durchführen → etwas tun / machen
– Steigerung der Produktion – mehr produzieren
– Umsetzung von Ideen – Ideen umsetzen
– Durchführung der Untersuchung – untersuchen
– Erarbeitung eines Konzepts – ein Konzept erarbeiten
Kritik-Punkte des Nominalstiles:
-
- Verlust an Lebendigkeit:
Verben und aktive Satzstrukturen bringen Bewegung in den Text – Substantive nicht.
- Verlust an Lebendigkeit:
-
- Unnötige Abstraktion:
Wörter wie Durchführung oder Herausforderung verdecken oft, wer etwas tut. Das macht Texte unklar und unpersönlich.
- Unnötige Abstraktion:
-
- Beamten- und Werbesprache:
Besonders in Verwaltung, Wissenschaft und Werbung wird der Nominalstil oft genutzt, um wichtig oder professionell zu klingen – wirkt aber künstlich und distanziert.
- Beamten- und Werbesprache:
-
- Die Leserfreundlichkeit leidet:
Lange Substantivketten sind schwer zu erfassen. Klare Verben erleichtern das Lesen und fördern Verständnis.
- Die Leserfreundlichkeit leidet:
Kurz gesagt:
Gute Texte leben von Verben statt Substantiven. Wer handelt, schreibt klarer als jemand, der nur bezeichnet.
Ihr Klaus Guckler